Sophia Löffler
Nominierung 2026 | Bestes Schauspiel
Foto © Marcella Ruiz-Cruz
Sophia Löffler als Nora in „Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert“ von Sivan Ben Yishai, Österreichische Erstaufführung, Schauspielhaus Wien
In der österreichischen Erstaufführung von Sivan Ben Yishais preisgekröntem Stück „Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert“ am Wiener Schauspielhaus bleibt kein Stein auf dem anderen: So hat man den Ibsen-Klassiker noch nie gesehen wie in dieser zeitgenössischen Überschreibung. Sophia Löffler spielt eine faszinierend zerrissene Nora, die darum kämpfen muss, überhaupt als Hauptfigur wahrgenommen zu werden und die Deutungshoheit über die Geschichte zu behalten, die auch aus der Perspektive des Hausmädchens oder des Paketboten erzählt wird. Nora ist nicht mehr nur patriachales Opfer, sie wird auch als ausbeuterische Arbeitgeberin markiert. Souverän behält sie diese widersprüchlichen Fäden in der Hand, beeindruckt als energetisches Zentrum einer Inszenierung, die ständig bewusst am Abgrund agiert. Löffler spielt förmlich um ihr Leben – es macht unglaublichen Spaß ihr dabei zuzusehen, wie sie ebenso verzweifelt wie komisch versucht, unsere modernen Lebenslügen unter den Teppich zu kehren.
Karin Cerny








