„Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben Gängen“
Nominierung 2026 | Beste Aufführung im deutschsprachigen Raum
Foto © Paul Hutchinson
„Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben Gängen“ nach Friedrich Schiller, Inszenierung Jan-Christoph Gockel, Münchner Kammerspiele
Mehr als zwei Jahre hat Regisseur Jan-Christoph Gockel an seinem opulenten Theatermarathon „Wallenstein“, einem „Schlachtfest in sieben Gängen“, gearbeitet. Schillers Drama über den skrupellosen Feldherrn aus dem Dreißigjährigen Krieg verflechtet Gockel grandios mit der Gegenwart und der Geschichte von Söldnerführer und Kriegsunternehmer Jewgeni Prigoschin, Chef der russischen paramilitärischen Wagnergruppe. Beide wurden für ihren „Kaiser“ zu mächtig und bezahlten ihren politischen Machtanspruch mit dem Leben. Damals wie heute geht es um Verrat, Intrigen, Abhängigkeit, Größenwahn, um Krieg und die scheinbare Unmöglichkeit von Frieden. Virtuos spielt Jan-Christoph Gockel mit den Genres des Theaters: klassisches Versdrama, Dokumentarrecherche, mitreißende Live-Musik, Puppenspiel und ein gemeinsames, alle Sinne ansprechendes Kochhappening – nach dem Schiller-Motto „Der Krieg ernährt den Krieg“ wird das Heerlager als riesige Feldküche inszeniert. In der Hauptrolle als Wallenstein eindrucksvoll der querschnittgelähmte Schauspieler Samuel Koch, ein leiser, aber gefährlicher Souverän. „Es ist der Geist, der sich den Körper baut“, sagt dieser Wallenstein und hängt einige Zeit später doch als Marionette im Weltgefüge, an Fäden hochgezogen, im Raum. Am Ende wird das Publikum zum Festmahl gebeten, um sich gemeinsam die Frage zu stellen: Wie konnte es so weit kommen? Wie schaffen wir es da wieder raus? Der siebenstündige überbordende Theaterabend über Aufstieg und Fall eines Machtmenschen ist ein Highlight dieser Spielzeit!
Susanna Schwarzer







