„Nora oder wie man das Herrenhaus kompostiert“ von Sivan Ben Yishai
Nominierung 2026 | Bestes Stück – Autor*innen Preis
Foto © Amit Jacobi
Sivan Ben Yishai für „Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert“, aus dem Englischen von Gerhild Steinbuch, Österreichische Erstaufführung, Schauspielhaus Wien
Als österreichische Erstaufführung kam im März 2026 „Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert“ in der Regie von Juan Miranda auf die Bühne des Wiener Schauspielhauses. Von dem zugrundeliegenden Ibsen-Klassiker „Nora oder Ein Puppenheim“ ist in dieser Bearbeitung (oder Persiflage?) durch Sivan Ben Yishai (Übersetzung: Gerhild Steinbuch) nicht mehr viel vorhanden. Die bei der Uraufführung des „Puppenheims“ 1879 drängenden Probleme, besonders bei der Emanzipation der Frauen, sind zwar immer noch nicht überwunden, doch sind ganz andere dazugekommen. Wenn der Paketbote jammert, dass er nur einen einzigen Satz in diesem Stück zu sagen hat, dann ahnt man bereits, es handelt sich nicht um Ibsens Klassiker, sondern um eine aktualisierte Version der Grundidee. Jetzt kommen endlich einmal beinahe alle Unterdrückten zu Wort. Und Nora selbst bemerkt gar nicht, wie sich die Zeiten insgesamt doch geändert haben und sie jetzt nicht mehr als sich emanzipierende Frau, sondern als Unterdrückerin wahrgenommen wird. Man schmunzelt, kann aber durchaus selbst dabei erröten, wenn da einige peinliche Wahrheiten von der Bühne tönen.
Martin Lhotzky








