Maximilian Pulst
Nominierung 2026 | Bestes Schauspiel
Foto © Marcella Ruiz-Cruz
Maximilian Pulst als Marianne in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ nach Ödön von Horváth und Johann Strauss, Volkstheater
Ödön von Horváth kannte den Begriff Femizid zwar noch nicht, war aber in seinen Stücken sehr präzise in der Beschreibung, wie Frauen, die aus ihren angestammten Rollen entfliehen möchten, systematisch in den psychischen und physischen Untergang getrieben werden. Man müsse den Frauen „die Hirnschale herunternehmen“ und „sie abstechen“ heißt es gleich zu Beginn von „Geschichten aus dem Wiener Wald“ im Volkstheater. So direkt und ungeschminkt hat man die berühmten Horváth-Sager selten gehört wie in der formbewussten Regie von Rieke Süßkow. Frauen übernehmen Männerparts, und umgekehrt, beide tragen Gesichtsmasken. Ein Gewinn ist das vor allem durch Marianne, körperlich allen anderen weit überlegen, aber trotzdem das Opfer einer misogynen Welt. Wie Maximilian Pulst diese ebenso starke wie zerbrechliche Figur anlegt, hat in seiner bodenlosen Verzagtheit Fassbinder-Qualität. Seine Marianne strahlt eine ungemeine Zartheit aus, eine Traurigkeit, die einem zu Herzen geht. Und wütend macht.
Karin Cerny







