Jette Steckel
Nominierung 2026 | Beste Regie
Foto © Pascal Bünning
Jette Steckel für „Der Menschenfeind“ von Molière, Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Thalia Theater Hamburg
Einen für sie ungewöhnlichen Stoff hat die Regisseurin gewählt: Molières „Menschenfeind“ ist eine sehr alte, brave, etwas vorhersehbare Komödie mit kammerspielartigen Dialogen, noch dazu in Reimen. Dennoch wirkt alles frisch an ihrem Abend bei den Salzburger Festspielen. Denn das Triptychon, in das Jette Steckel ihre Vorlage gießt, holt mit allen Mitteln der Kunst Fragen nach Ehrlichkeit und Etikette in die Gegenwart. Auf ein Rapkonzert, das die Leute aus den Sesseln reißt und formal wie inhaltlich die Themen des Stücks weiterdenkt, folgt ein skurriles Werk der Medienkunst mit Lasershow und Emojis. In Teil III schließlich erlebt das Publikum, von diesen überraschenden Eindrücken geprägt, das, wofür es ursprünglich erschien: das Stück unter präzisester Schauspielführung und mit bemerkenswerter Sinnlichkeit. Von zwei gegenüberliegenden Seiten das Bühnenbild einsehend, hat es sich auch immer selbst im Blick. Besser lässt sich der Moralsuche Molières kaum gerecht werden.
Martin Thomas Pesl







