„Die Infantin trägt den Scheitel links“
Nominierung 2026 | Beste Off-Produktion
Foto © Petra Zöpnek
„Die Infantin trägt den Scheitel links“ nach Helena Adler, Inszenierung Susanne Lietzow, Uraufführung, Koproduktion des Kosmos Theater mit DIE FABRIC
Im Untertitel heißt er „Heimatmisthaufen“: Ein Hügel aus Erde und Stroh (Ausstattung: Aurel Lenfert) füllt die Bühne im Wiener Kosmos Theater aus, ein riesiges Kreuz wird in ihn gerammt. Regisseurin Susanne Lietzow wuchtet den wortgewaltigen und autobiografischen Anti-Heimatroman der 2024 verstorbenen Autorin Helena Adler in einem Kraftakt auf die Erde – ohne etwas vom Sarkasmus, der Wut, Verzweiflung und der bildhaften Sprache der Vorlage einzubüßen. Das großartige Schauspiel-Quartett (Klaus Huhle, Sebastian Pass, Lisa Schrammel und Martina Spitzer) beackert in Gummistiefeln eine Kindheit zwischen Viechern, Schnaps, Gewalt und Überlebensstrategien auf einem Bauernhof, wo es hieß: „Zuerst kommt die Kuh, dann Du!“. Chorische Passagen, Szenen mit Klappmaulpuppen und Witz bilden ein mehrstimmig-körperliches Gemälde, das Oliver Welter in sinistre Lieder tunkt. Und der Misthaufen? Er erweist sich als genial vielseitige Spielwiese für diese Heimat-Hölle. Ein Abend, der lange nachhallt.
Julia Schafferhofer







