Bibiana Beglau
Nominierung 2026 | Bestes Schauspiel Nebenrolle
Foto © Tommy Hetzel
Bibiana Beglau als Hitzkopf, Henry Percy in „Sankt Falstaff“ von Ewald Palmetshofer, Österreichische Erstaufführung, Burgtheater
Shakespeares zweiteiliges Königsdrama „Heinrich IV.“ transferiert der österreichische Autor Ewald Palmetshofer in eine Gegenwart, in der die Demokratie nur noch formal besteht. Der autoritäre „Quasi-König“ Heinz hat sich ins Zentrum der Macht katapultiert und auch schon einen Schlachtplan zur Machtübergabe ausgeheckt: Nicht sein Hallodri-Sohn soll nach ihm regieren, sondern „Hitzkopf“ Henry Percy, grandios gespielt von Bibiana Beglau. Wie sie diesen ein wenig begriffsstutzigen, machthungrigen Jungpolitiker performt, ist großes Kino. Ungelenk trippelt und zappelt ihr König in spe durch eine korrupte Welt, überzeugt davon, unbesiegbar zu sein. Diplomatisches Feingefühl oder kluge politische Schachzüge sind seine Sache nicht. Schnoddrig stellt er fest: „Immer diese Schwurbelscheiße, könnt ihr nicht normal?“ Grotesk in seinem Machtgehabe ist dieser Emporkömmling, und dennoch gelingt es Bibiana Beglau, den Möchtegernherrscher nicht der Lächerlichkeit preiszugeben – viel mehr bekommt man Mitleid mit dieser Schachfigur im Ränkespiel der Mächtigen.
Susanna Schwarzer








